Haus und Hof – Die Geschichte

Der Name „Groder“ stammt aus dem slawischen, kam von der Bezeichnung „Grad“ und bedeutet nach der heutigen Übersetzung so viel wie „Auf einem Plateau stehend wie eine Burg und nach allen Seiten geht es bergab“
Wenn man durch das Virgental hereinfährt kann man dieses mit eigenen Augen sehen.

Der Hof war sicherlich seit mehreren Jahrhunderten besiedelt, dies geht aus Aufzeichnungen der Chronik von Prägraten hervor, jedoch genauere Niederschriften über die Familien, die dieses Gehöft besiedelt haben, gehen erst seit den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts hervor.

Bis zum Jahre 1920 etwa war der Hof von der Familie Groder bewirtschaftet worden, die Familie Groder starb kinderlos und übergab das Anwesen seinen Verwandten, mit dem Namen Steiner, die jedoch infolge der damaligen Wirtschaftskrise im Jahre 1929 vom Hof kamen.
Der Besitz wurde von dem Plojer-Bauer aus Gaimberg bei Lienz gekauft, einem damaligen Großbauern und Viehhändler, der diesen Hof für die Tiere als Sommeralm benutzte. Dieser verpachtete einen Großteil des Hofes, vor allem die Bergmähder zur rechten und linken Seite des Hausberges Finsterwitz, an die heimischen Bauern im Tal.

Noch heute sieht man beim Aufstieg auf diesen Berg alte Heuschupfen (Heustadeln), in denen das Bergheu gelagert wurde, welches dann im Winter durch den Bauern, der natürlich der Lawinengefahr ausgesetzt war, zu Tale gebracht wurde. Diese Arbeit wurde auch noch vom nachfolgenden Besitzer Eduard und dessen Sohn Franz mit seinen Geschwistern, die in den Sommermonaten bis zu 60 Heufuder zusammenbrachten, und diese im Winter ins Tal zogen.

Der Plojer Bauer aus Gaimberg nutze den Hof hauptsächlich als Weidegebiet für seinen lebhaften Viehhandel. Als dieser jedoch den Handel mit dem Vieh einstellte, schrieb er den Hof zum Verkauf aus.

Im Jahre (Bild links) 1936 ging dann der Besitz an den jetzigen Inhaber, Familie Egger.
Ein weichender Bauernsohn als Gelegenheitsarbeiter, mit ganz bescheidenen Ersparnissen, der den Hof um zwanzigtausend Schilling (nach dem heutigen Brotwert das zigfache) erworben hatte.
Zu dieser Zeit war der Hof wohl baulich als auch wirtschaftlich gänzlich heruntergekommen. Mit seiner Frau Maria geborene Mariacher und seinen drei kleinen Kindern, denen danach noch sieben folgten, 5 Stück Vieh und nahezu den ganzen Kaufpreis an Schulden, begann der Neusiedler eine unglaubliche schwere Aufbauarbeit.
Die Felder in diesem schwierigem Gelände b rachten wenig Ertrag, bei den Gebäuden fehlten zum Teil Fenster sowie nahezu das gesamt Inventar.
Unglück bei Vieh und die allgemeinen schwierigen Verhältnisse, durch den Krieg machten es in der ersten Zeit unmöglich die fälligen Raten zu bezahlen.
Die Gläubiger drängten. Bauer Eduard (geb 1903 gest. 1991) und die Bäuerin Maria (geb. 1906 gest. 1985) erklärten, sie würden diese Schwierigkeiten nie wieder in Kauf nehmen, und es war nur mit Gottes Kraft möglich diese Zeit zu überwinden.
Durch die Umschuldung im Jahre 1938 durch das Land Tirol, waren die Zinsen nicht mehr so drückend und es konnten so wenigstens die ersten Maschinen angeschafft werden. Die Felder waren durch die fleißige Bearbeitung der heranwachsenden Kinder und deren Eltern, durch bessere Düngung ertragreicher geworden.

Das größte Problem war aber immer noch die Beschaffung von Trink- und Wirtschaftswasser. Im Winter oder im Sommer bei kleinen Trockenperioden gab es auf dem Hof keinen Tropfen Trinkwasser. Es mußte mit Pferden und Ochsen vom Bach heraufgebracht werden. Jedoch im Winter bei hoher Schneelage und der Lawinengefahr, blieb bei dieser kalten Jahreszeit kein Ausweg als von 4 Uhr früh bis 12 Uhr Mitternacht Schnee zu schmelzen, um das durstige Vieh tränken zu können, und Wasser zum kochen und Waschen zu erhalten.

Mit Hilfe von Wünschelrutengängern, die oft ganz unrichtige Angaben über nahe Wasservorkommen machten, und somit den Bauern nutzlos zu umfangreichen Grabarbeiten veranlaßten, stieß der Bauer Eduard endlich oberhalb der Großvenedigersicht nach alleinigen Grabungen mit Pickel und Schaufel, in ca 90 m Stollentiefe auf Wasser, mit dem der Hof bis in die 70er Jahre versorgt wurde.
Danach faßte man eine Quelle im Prägratner Dorfertal, und leitete diese zum Gehöft, somit war die Trinkwassergarantie bis heute gegeben.

Nach dem 2 Weltkrieg ging es dann besser. Als der elektrische Strom 1946 eingeleitet wurde, konnten Aufzüge gebaut werden, die eine große Erleichterung waren. Der Viehbestand wurde erhöht und durch die Milchproduktion wurde ein neues Wirtschaftsgebäude erstellt (1954 bis 1956).
Mit der Milchproduktion kamen auch die ersten Gäste auf den Groderhof, und man war Milchlieferant für das Hotel der Wiener Sängerknaben die ihre Sommerresidenz in Hinterbichl hatten. Die jungen Burschen fröhnten mit frohen Liedern den Berg herauf, um mit Ihren Milchkannen auf dem Buckel Milch zu holen.
Im Jahre 1959 wurde von Regina Egger der Vorschlag unterbreitet eine Jausenstation zu errichten und dies geschah auch so. In den frühen Sommermonaten kamen am ersten Tag 14 Gäste, die man mit Tiroler Knödel, einem Kaiserschmarren oder Speck mit Ei, frischer Milch, Buttermilch und Sauermilch verköstigte.
Die Glanzeit des Fremdenverkehrs erlebte Hinterbichl mit den Wiener Sängerknaben.

Der Hof wurde an den ältesten der 10 Kinder Franz Egger übergeben. Franz baute mit seiner Frau Anna, geb. Kratzer, denen fünf Kinder folgten, den Hof zur jetzigen Größe aus.
Das Herzstück ist immer noch die alte Bauernstube aus dem Jahre 1856, die Initalien sind oberhalb der Eingangstüre zu lesen.
Dank der Tüchtigkeit und Fleißes der Familie Franz Egger und seiner Frau Anna wurde der Groderhof in aller Munde ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste und Einheimische dieses wunderschönen Hochgebirgstales.

1987 wurde auch die neue Zufahrt zum Groderhof fertiggestellt, die auch wintersicher ist und allzeit auch Reisebussen die Auffahrt ermöglicht.

Seit 1987 führt der Sohn Eduard des Besitzers Franz Egger, mit seiner Frau Veronika und der Hilfe der ganzen Familie, den Gasthof-Groderhof in der jetzigen bestehenden Form weiter.